Investoren denken nicht in Landesgrenzen
09.06.2011
Sechs Kreise im Norden Hamburgs arbeiten bei der Wirtschaftsförderung Hand in Hand. Kooperation statt Konkurrenz lautet das Motto der Wirtschaftsförderungsgesellschaften, die sich am 14. und 15. Juni auf der internationalen Messe Real Estate North im CCH Hamburg als einheitliches Kompetenzzentrum präsentieren. „Wir verstehen uns als eine geschlossene Wirtschaftsregion“, betont Dr. Harald Georg Schroers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH (WEP) in Tornesch.
Gemeinsam wollen sie nicht nur national, sondern auch international bei Investoren größere Beachtung finden und damit ein Schwergewicht zur Hansestadt bilden. „Kirchturmsdenken hat in einer global agierenden und vernetzten Welt keine Zukunft mehr", macht Dr. Hans-Jürgen Hett, Geschäftsführer der egeb: Wirtschaftsförderung deutlich.
Die Metropole Hamburg wird dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Partner betrachtet, von dem sich die Kreise Synergie-Effekte versprechen. Denn im Gegensatz zur Hansestadt gibt es von Ratzeburg bis Heide für unterschiedliche Bedürfnisse zahlreiche Flächen - sie reichen vom Industriegebiet Brunsbüttel bis hin zu Logistikflächen an der A 24. Die Messe ist für die Wirtschaftsförderer das passende Umfeld, um die Vielfältigkeit der Region zu präsentieren. „Wir wollen deutlich machen, dass wir ein attraktiver Standort innerhalb der Metropolregion Hamburg sind", betont Dr. Hett.
Vor allem von der A 20 erhoffen sich Kreise Ansiedlungen und damit einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. „Damit wird die gesamte Region attraktiver", ist Schroers überzeugt, der gemeinsam mit seinen Kollegen von den Wirtschaftsförderungsgesellschaften auch politische Lobbyarbeit betreibt.
„Heute stehen nicht mehr die einzelnen Städte im Wettbewerb, sondern die Metropolen", so Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormann mbH in Bad Oldesloe. Nur durch die Addition der jeweiligen Stärke von Stormarn, Segeberg, Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Lauenburg wird die Wahrnehmung deutlich verbessert. Leinius: „Für uns ist das eine echte Alternative zu Großkreisen."
Mehr Zusammenarbeit und mittelfristig auch eine länderübergreifende Planung mit der Metropolregion sollen für Wachstum sorgen. Denn ein Gutachten hat ergeben, dass bis 2025 allein in Stormarn mehr als 130 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen benötigt werden, da Hamburg seinen Bedarf kaum auf eigenen Flächen decken kann. In den anderen Kreisen sieht es ähnlich aus. „Damit die Region die Chancen nutzen kann, brauchen wir eine abgestimmte Strategie und eine enge Zusammenarbeit", so Dr. Hett. Denn Investoren interessieren sich nur für Rahmenbedingungen, nicht für Ländergrenzen.
Über Standortvorteile, Kriterien für Unternehmensansiedlungen und die Fachkräfteproblematik diskutieren am Dienstag, 14. Juni, ab 15 Uhr die Wirtschaftsförderer gemeinsam mit Gewibau Nord (Ahrensburg), Sasol (Hamburg) und weiteren Unternehmern auf dem gemeinsamen Messestand E 16 in Halle H.

